2 Jahre Suxedoo ein Start-Up Update

Vor knapp 2 Jahren ging Suxedoo mit der ersten Beta Version an den Start. Inzwischen ist die Firma, typisch für ein Start-Up, durch ziemlich alle Hochs und Tiefs durch, die erlebt werden können.

Die Benotung welche ich im März dieses Jahres anhand des Dossier “Start für Ihr eigenes Unternehmen” welches www.startups.ch formuliert hat vorgenommen habe zeigt auf wo Fehler entstanden sind oder hätten verhindert werden können.

Hier die Ist Analyse vom März. Im nächsten Post wird aufgezeigt wie auf diese Analyse reagiert wurde.

1. Eine gute Geschäftsidee “Note 6″
Eine gute Geschäftsidee ist die Basis einer erfolgreichen Firmengründung. Dabei handelt es sich idealerweise um eine Idee oder ein Geschäftsmodell, das es noch nicht gibt – das also innovativ ist.”

Das Geschäftsmodell (proofe of concept) erfreut sich einer grossen Beliebtheit. 2’000-3’000 Besucher täglich waren an Suxedoo interessiert. Über 20‘000 Tombolas wurden durchgeführt. Mehr als 100 Werbepartner haben bei Suxedoo gebucht.

2. Erfahrung in der Branche “Note 3″
“Der Gründer sollte idealerweise Erfahrung in jener Branche mitbringen, in der er sich selbständig machen will. Unsere Erfahrung zeigt, dass branchenerfahrene Firmengründer überdurchschnittlich erfolgreicher sind als „Branchenneulinge“.”

Zwar hatte der Geschäftsführer grosse Erfahrung im Bereich virales Marketing, Newsletter etc. (Note 6) Keiner der Gründer aber hatte ein Beziehungsnetz in der Online Vermarktungsbranche (Note 1, unbrauchbar). Mit kreativen Ideen wie KMU-Werbepackages etc. und vielen Direktkontakten (kalt) konnte zwar ein ansprechender Umsatz generiert werden, jedoch war es unmöglich trotz 3‘000‘000 Page Impressions pro Monat an die grossen Werbeetats ranzukommen.

Wille zum Erfolg und Selbstvertrauen ” Note 2.5″
Der erfolgreiche Unternehmensgründer scheut keinen Aufwand. Er muss bereit sein, 50 oder 60 Stunden pro Woche zu arbeiten und auf seine Ferien zu verzichten. Nur wer an sich glaubt, setzt sich durch. Dazu gehören auch Optimismus und der unerschütterliche Glaube an die Zukunft.

Der Wille Erfolg zu haben und insbesondere vom Erfolg zu träumen war da. Der Wille jeden Tag unaufhörlich dran zu bleiben jedoch fehlte. Der Spass kommt mit dem Erfolg und nicht umgekehrt. Jeder der 5 Mitaktionäre war von sich selbst überzeugt, jedoch griffen die Rädchen nicht ineinander. Jeder dachte er mache mehr als alle anderen und betonte dies auch wöchentlich. Vielleicht muss hier auch gesagt werden zuviele Köche (Unternehmer) verderben den Brei. 5 Häuptlinge und keine Indianer waren eine schlechte Ausgangslage um in den Kampf zu steigen.

4. Businessplan „Note 4.5“
Der Businessplan ist der Leitfaden für den Geschäftsaufbau. Dieses Instrument, das immer den neuesten Entwicklungen angepasst wird, ermöglicht eine systematische Vorgehensweise und die frühzeitige Erkennung von Problemen. Damit können auch rechtzeitig geeignete Gegenmassnahmen getroffen und umgesetzt werden.

Der Businessplan war allen klar und jeder verpflichtete sich darauf. Er war konservativ ausgelegt. Das Management wurde auf Basis des prognostizierten EBITDA entlöhnt. Es wurde im April 2009 auf einen zusätzlichen Investor (Zusage war vorhanden) einstimmig verzichtet weil sich jeder verpflichtet hat einen gewissen Umsatzanteil selber beizusteuern. Die Umsetzung klappte nur dann, wenn ausserordentliche Massnahmen wie Frühlingsoffensive oder Maikäfer Trophy angesetzt wurden. Der Businessplan wurde auf der Einnahmeseite verfehlt und so musste im September 2009 neu gerechnet werden.

5. Finanzkontrolle „Note 5.5“
Ein Jungunternehmer muss nicht im Geld schwimmen. Der Erfolg stellt sich aber meist nicht so schnell ein, wie er meint. Deshalb dürfen die Finanzmittel nicht zu knapp bemessen sein. Wer über betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügt, kann schnell reagieren und hat die Finanzen und die Liquidität unter Kontrolle.

Mit den vorhandenen Mittel wurde haushälterisch umgegangen. Wo nicht viel Spielraum besteht kann auch nicht viel ausgegeben werden. Die Gründer verzichteten bei Bedarf teils auf Lohn oder andere Ansprüche. Die wichtigesten Kennzahlen waren jederzeit allen bekannt und einsehbar
Die vorhandenen Mittel wurden gezielt eingesetzt. Der zusätzlich benötigte Kapitalbedarf wurde früh erkannt, eine Kapitalerhöhung im November jedoch abgelehnt, was zu grossen Spannungen führte.

6. Klares Marketingkonzept „Note 6“
Nur wer klare Vorstellungen darüber hat, wie er sein Produkt oder seine Dienstleistung auf den Markt bringt, kann den Sprung in die Selbständigkeit schaffen.

Die Vorstellungen „Target Marketing“ waren klar und einheitlich. Die Umsetzung herrvorragend und Etappenweise in Ausarbeitung. Das Konzept hat sich bewährt, der finanzielle Erfolg ist noch ausstehend.

7. Wettbewerbsvorsprung „Note 6“Erfolg muss immer wieder neu erarbeitet werden. Der Marktvorsprung darf nicht verloren gehen. Wer agiert statt reagiert, hat immer einen Vorteil.

Bis heute ist keine nennenswerte Konkurrenz auf den Zug aufgesprungen. Die Idee ist einzigartig und nicht einfach zu kopieren, denn im Hintergrund sind die Prozesse einiges komplexer als es nach Aussen hin mit seiner Einfachheit erscheint.

8. Managementunterstützung „Note 5“Die Schlagkraft eines Jungunternehmers steigt, wenn er auf das Wissen erfahrener Manager zurückgreifen kann. Mögliche Berater sind Financiers, Anwälte oder erfolgreiche Unternehmerkollegen.

Die zugezogenen externen Kräfte (Buchhaltung, Steuern, rechtliche Abklärungen etc). arbeiteten professionell. Es wurde versäumt im Werbeumfeld externes Wissen beizuziehen.

9. Kooperation „Note 3“
Niemand hat auf allen Gebieten gleich gute Kenntnisse. Der Aufbau eines Netzwerks von Kooperationen eröffnet einem Jungunternehmer Zugang zu zusätzlichem Know-how, das sonst teuer eingekauft werden müsste.

Die „wenigen“ eingegangenen Kooperationen funktionierten nur genügend. Es wurden zuwenig Kooperationen gezielt gesucht. Die eingegangenen Kooperationen wurden zuwenig gepflegt

10. Klare Firmenstrukturen „Note 2“
Eine erfolgreiche Firma verfügt über klare Strukturen. Die Mitarbeiter sind motiviert und wissen genau, was ihre Aufgaben sind. Die Kunden kennen ihre Ansprechpartner.

Jeder der Unternehmer wollte immer und überall mitreden und mitentscheiden. Die Kunden hatten zum Teil bis zu 3 Ansprechspartner je nach Anliegen. Es gab zwar einen CEO aber nebenbei noch viele weitere C’s.

5 Responses to “2 Jahre Suxedoo ein Start-Up Update”

  1. Martin Says:

    Aus meiner Sicht eine interessante, ehrliche und sehr zutreffende Analyse.

    Ich wurde (wohl über swissstartups) so ziemlich zum Start von Suxedoo Mitglied und war anfangs begeistert. Täglich war ich dabei und verloste Wichtiges und Unwichtiges, gewann ebensolches und konnte es kaum erwarten, bis die von Suxedoo angekündigten Verbesserungen und Zusatzfunktionen online gingen.

    Dass die Inputs der User nicht Ernst genommen wurden oder nicht umgesetzt werden konnten/wollten war wohl entscheidend. Der nachfolgende Abgang diverser “Poweruser” ebenso wie undurchsichtige und fehlende Informationen.

    Nimmt mich wunder, was die Massnahmen zur Lösung sind und ob das Schiff “Suxedoo” wieder Fahrt aufnehmen kann.

  2. Michael Says:

    Herzlichen Dank für diese offenen und ehrlichen key learning. Sehr lehrreich!

  3. Roman Balzan Says:

    Danke für die Analyse. Als Mitgründer, Aktionär, ehemaliger Geschäftsführer und somit “Mit-Empfänger” dieses “Zeugnisses” kann man natürlich mit einem Schnitt von 4.35 unmöglich zufrieden sein. Ich teile die Meinung zu einigen der verteilten Noten nicht ganz (3, 5 und 8) aber das tut nichts zur Sache, den im Grossen und Ganzen stimmt sie und somit auch der Gesamtschnitt.

    Wie auch immer: Heute würden wir wahrscheinlich einiges Anders machen von Beginn weg. Punkt 2 müsste zusätzlich noch die praktische Erfahrung als Firmengründer beinhalten. In unserem Team hatte nur einer Erfahrung und das praktische Rüstzeug, die anderen 4 waren Greenhorns oder Theoretiker. Das grosse Fazit daraus: kein MBA, kein Studium, keine Psychologiausbildung und kein theoretischer Lehrgang könnte das ersetzen, was alle Beteiligten in den 2 Jahren mit Suxedoo gelernt haben – inkl. allen Hochs und Tiefs. Es war eine unglaublich spannende, emotionale, schöne, manchmal auch schwierige und extrem harte Zeit. Jedoch: viele Fehler werden in Zukunft nicht mehr begangen, davon bin ich überzeugt – Learning by doing and coping!

    Nun bin ich natürlich auf den 2. Post gespannt – wurde ja die Struktur nun angepasst – und somit die Chance aufgetan mit einem neuen Team das “Positive” zu übernehmen und das “Negative” zu verbessern. Auf Jedenfall wünsch ich dem Team, dem neuen Geschäftsführer Hendrik und auch Urs einen tollen Erfolg!

    Los. Spiel. Gewinnt!

  4. dtarolli Says:

    Lieber Urs und Roman

    Besten Dank für den tollen “LehrBlätz” und ich bin auch schon auf den zweiten Teil gespannt.

    Gruss Dominik

  5. Gaby Stäheli Says:

    Interessante Learnings, die man sich auch wieder selbst zu Herzen nehmen muss! Wie schnell passiert es im operativen Alltag gewisse strategisch wichtige Punkte zu übersehen! Und leider stimmt es, dass immer alles doppelt so lange geht und viel mehr kostet als man es ursprünglich geplant hat!

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