
Was wäre, wenn das Finanzdesaster doch noch zur Weltwirtschaftskrise wird, vergleichbar mit den schweren Krisen des 20. Jahrhunderts?
Der Ist-Zustand.
Er allein reicht schon, auch gelassene Naturen bange zu machen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die Weltwirtschaft „in der schärfsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg“ und erwartet allein bei von amerikanischen Banken vergebenen Krediten Abschreibungen von 2200 Milliarden Dollar. Originalton IWF: „Trotz weitreichender Maßnahmen der Politik bleiben akute Verspannungen an den Finanzmärkten, die der Realwirtschaft zusetzen“.
Deflation: Preisrutsch auf breiter Front
Was gemeint ist: Anleihe- und andere Märkte stehen in einer Schockstarre, weil kein Handel mehr stattfindet (etwa bei Pfandbriefen); bei Unternehmen brechen die Umsätze in seit Generationen nicht mehr gekannter Geschwindigkeit zusammen. Täglich kündigen weltweit Konzerne ihren Mitarbeitern.
Der IWF warnt vor den Risiken eines Preisrutschs auf breiter Front, einer Deflation also.
Weil Regierungen dies um alles in der Welt vermeiden wollen, pumpen sie Milliarde um Milliarde in die Finanzmärkte – und treiben so die Staatsverschuldung: 51.000 Milliarden Dollar haben allein die USA an Schulden aufgehäuft; nicht eingerechnet die 8500 Milliarden neuer Garantien und Wirtschaftshilfen. US-Staatsanleihen im Wert von bis zu 2500 Milliarden Dollar werden allein in diesem Jahr in den Markt gedrückt.
In Europa kommen 2009 neue Staatspapiere im Gegenwert von 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Länder neu auf den Markt – weil alte Anleihen auslaufen und weil die Staaten mehr Geld brauchen.
Was den größeren Wirtschaftsnationen noch droht – enorme Preissteigerungen nach Wirtschaftsdepression und unvorstellbaren Schulden – könnte Island liefern. Wie heißes Wasser aus dem Inselgeysir Strokkur schießt dort, trotz eines dramatischen Wirtschaftseinbruchs, inzwischen die Inflation in die Höhe. Zuletzt lag sie bei zehn Prozent.
Investieren macht keinen Spaß mehr: Aktionärsvermögen von 30.000 Milliarden Dollar hat sich in Luft aufgelöst; in der Schweiz sinkt die Zahl der Aktionäre rapide; Milliarden liegen in Festgeldern. Die Banken horten Ihre Gelder zu 0 (null) Zins bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB)
Man muss gar nicht fantasiebegabt sein, um rabenschwarze Jahre vor sich zu sehen. Das Worst-Case-Szenario spielt den Extremfall einer tiefen „Dreifachkrise“ von Finanzwirtschaft, Realwirtschaft und westlichem Wirtschaftssystem durch. Eine solch massive Depression gilt in den offiziellen Verlautbarungen noch als unrealistisch. Doch den Beruhigungspillen sollte niemand mehr trauen, Bank- und Staatsvertretern lagen in der Krise schon oft daneben. Nach all den Irrungen der letzten zwei Jahre sollten sich Investoren und Unternehmer mit dem „Worst Case“ vertraut machen.
Angenommen wird, dass die Weltwirtschaft über drei bis fünf Jahre schrumpft, teils mit zweistelligen Raten. Die Realwirtschaft hat schwerste Finanzierungsprobleme (Kreditklemme) und setzt so eine Negativspirale in Gang: Unternehmenspleiten steigen drastisch und ziehen Massenarbeitslosigkeit nach sich. Der Konsum bricht ein, weitere Pleiten folgen.
Bund und Kantone müssen explodierende Sozialausgaben finanzieren und Konjunkturpakete stemmen. Zudem belasten die Banken und die hohe Nachfrage nach staatlichen Krediten das Budget. Da Steuererhöhungen in einem solchen Szenario kontraproduktiv sind, entscheidet sich die Regierung für eine massive Neuverschuldung, die weit über die derzeitigen Volumina hinausgeht.
Die stark schrumpfende Wirtschaft löst zunächst Deflation aus, lässt also die Preise mächtig purzeln. Politik und Notenbanken aber haben nach kurzer Zeit kaum noch Handlungsspielraum. Die Wirkung der Konjunkturprogramme bleibt schwach. Die Zentralbank rutscht in eine Liquiditätsfalle: Die Banken reagieren nicht mehr auf Zinssenkungen und massive Liquiditätsspritzen, sondern horten ihr Geld, statt es als Kredit an die Realwirtschaft zu geben.
Staaten und Unternehmen können nur über eine Entwertung der Währungen ihre massive Verschuldung los werden. Und dafür ist Inflation die wichtigste Voraussetzung. Die Notenbanken kaufen – wie dieser Tage schon die Fed – Staatspapiere auf, drucken also faktisch Geld.
Geld zu drucken, wie es die Notenbanken zurzeit tun, und massive Konjunkturprogramme aufzulegen, sind leider ohne Alternative ; freilich werden wir das in Form von Geldentwertung bezahlen.
Erst mit hohen Preissteigerungen verflüchtigen sich die Altschulden, am Ende kippt die Währung, Gläubiger wie Anleger, die Staats- oder Unternehmensanleihen halten, sind dann die Verlierer. Gewinner von Währungsreformen sind eben die, die Schulden haben.
Wer an dieser Stelle schluckt, ist nicht allein. Angesichts einer derart massiven Krise lohnt sich ein Blick zurück auf die großen Wirtschaftskatastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Mehr dazu folgt die nächsten Tage im Teil 2