BR Leuthard: Warum muss der Unternehmer-Nachwuchs nicht stabilisiert werden?
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Das Seco prognostiziert für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0.8 % und 2010 eine bescheidene Erholung von + 1 %. Da aber die Unsicherheit über den Verlauf der Krise ungewöhnlich hoch ist, steuert das Seco mit Stabilisierungsmassnahmen gegen die Wirtschaftskrise.
Der grundsätzliche Sinn oder Unsinn eines Konjunktur-/Stabilisierungspaket ist hier nicht das Thema. Wir nehmen es als Tatsache hin und schauen mal genauer, wer denn in der zweiten Stufe (per 11.2.2009) hier stabilisiert wird. Here we go:
#1: Infrastruktur Strasse, SBB und Privatbahnen: CHF 395 Mio.
#2: Projekte der Neuen Regionalpolitik: CHF 100 Mio.
#3: Anwendungsorientierte Forschung, Grundlagenforschung: CHF 50 Mio.
#4: Wald, Natur- und Landschaftschutz: CHF 20 Mio.
#5: Energie : CHF 50 Mio.
#6: Sanierung und Instandhaltung bestehender Bauten der ETH und armasuisse: CHF 40 Mio.
#7: Angebotsmarketing Tourismus: CHF 12 Mio.
#8: Div. weitere Massnahmen

Also stabilisiert Frau Bundesrätin Doris Leuthard vorallem die Bauwirtschaft (570 von 701 Millionen). Das Konzept hat sich der Chefdenker von Doris Leuthard, Aymo Brunetti, ausgedacht. In der Samstagsrundschau vom 14. Februar 2009 hat er offen erklärt, dass es nicht so darauf ankommt, was man macht, sondern dass man etwas macht und dass er offen für Vorschläge sei und diese geprüft werden würden…
Darum habe ich drei wichtige Fragen an Bundesrätin Doris Leuthard:
#1: Wie wird Herr Brunetti wohl reagieren, wenn ich ihm einen Vorschlag für die Stabilisierung der Schweizer Start-ups unterbreite?
#2: Warum denken Sie, dass der Beton mehr stabilisiert werden muss als der Unternehmer-Nachwuchs in der Schweiz?
#3: Denken Sie, dass der Staat etwas dazu beitragen kann, dass wir in der Schweiz ein freundlicheres Investitionsklima für Start-ups haben (siehe Ausführungen von Dr. Maurice Pedergnana im Gastbeitrag auf SwissStartups.com)?
Besten Dank für die Beantwortung der Fragen Frau Bundesrätin (die Fragen wurden per 23.2.2009 an Bundesrätin Leuthard abgeschickt).

Februar 24th, 2009 at 06:39
Lieber Dominik, dass finde ich eine gute Frage. Aber – Subventionen verzerren den Markt resp. setzen falsche Anreize. Ein Startup dass unter aktuellen Bedingungen ohne künstliche Beatmung erfolgreich ist, wird nach der “Krise” (wenn es die denn gibt) einen wahren Spaziergang erleben.
Oder anders gefragt, möchtest Du Staatshilfe für Deine Firma? Ich würde nicht stolz auf mich sein.
Beste Grüsse – Toni
Februar 24th, 2009 at 07:00
Lieber Toni
Besen Dank für das Feedback und die Frage.
Wenn wir davon ausgehen, dass das Stabilisierungsprogramm sowieso kommt, dann ist doch die spannende Frage ob wir das Geld dort einsetzen wo es etwas bringt (schnell, wirksam und zeitlich beschränkt).
Und Du kennst mich so gut, dass ich die Antwort auf Deine Frage bewusst offen lasse
!
Welche Massnahmen würdest Du mit 700 Millionen finanzieren?
Gruss Dominik
Februar 24th, 2009 at 12:32
Lieber Dominik
Die grundsaetzlichere Frage, die dein Beitrag aufdeckt, ist, ob eine Juristin, deren Erfahrungsschatz darin besteht, ueber Scheidungsfaelle im Kanton Aargau entschieden zu haben, dazu faehig ist, ein Volkswirtschaftsdepartement zu fuehren in schwierigen Zeiten. Ein Unternehmer (und evt. nicht-Jurist) waere dazu wohl eher in der Lage, da er selbst Erfahrungen in den relevanten Bereichen hat und sich nicht komplett auf Vorschlaege von anderen verlassen muss.
Jetzt sind wir zum Kern des Problems vorgestossen: Es gibt fast keine Lobby fuer (Jung-)Unternehmer — da sich nur sehr wenige (Jung-)Unternehmer in der Politik engagieren.
Waere das nicht etwas fuer dich?
Gruss
Michael
Februar 24th, 2009 at 14:06
Lieber Michael
Besten Dank für Deinen Input.
Auch wenn es sehr reizvoll und emotional verständlich ist auf die Leute direkt zu spielen, möchte ich einen anderen Punkt von Dir aufnehmen:
- Die Jungunternehmer haben keine Lobby, sondern sind bildlich gesprochen in der Garage (wie treffend) am Arbeiten, weil das die Natur der Start-ups ist.
Wäre es für die Jungunternehmer besser, wenn sie sich organisieren würden und wenn ja in welcher Form? Weil das Potenzial ist gewaltig, wenn man bedenkt, dass pro Jahr bis zu 30′000 Unternehmen gegründet werden…
Was meinst Du?
Gruss Dominik
Februar 24th, 2009 at 16:51
Du hast recht; eigentlich wollte ich ein allgemeines Bild anhand eines Einzelfalles aufzeigen (ich bedauere, dass ich da ein bisschen zu stark vorgeprescht bin). Trotzdem finde ich es ein gutes, da repraesentatives Beispiel.
Ich bin mit deinem Argument einverstanden: Jemand ist eben gerade (Jung-)Unternehmer, weil er diesen Job (oder ist es nicht vielmehr eine Lebenseinstellung?) gegenueber einem anderen bevorzugt. Aus diesem Grund und da Jungunternehmer selbst wohl zu ca. 200% ausgelastet sind mit ihrer Firma, halte ich es fuer unwahrscheinlich, dass sie selbst viel Energie und Zeit aufbringen koennten, um sich zu formieren.
Eine gute Moeglichkeit waere deshalb, dass ehemalige Gruender sich zu einem spaeteren Zeitpunkt ihrer Karriere in die Politik einschalten. Sie koennten so als “Zugpferde” gelten, denen sich Jungunternehmer gerne anschliessen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, welche “Oranisationsform” effektiv ist, um die Interessen von (Jung-)Unternehmer zu vertreten.. Hast du eine Idee?
Februar 24th, 2009 at 17:01
Lieber Michael
Besten Dank für die Ausführungen.
Aufgrund des Zeitmangels und der Heterogenität der Jungunternehmer könnte ich mir nur etwas Digitales vorstellen, wo man sich als “Member” committen muss. Das operative würde ein kleines Team dann im Auftrag der “Member” ausführen. So wie ein Branchenverband aber ohne Verband.
Ob das klappen würde?
Gruss Dominik
Februar 25th, 2009 at 08:35
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Februar 26th, 2009 at 09:03
[...] in der Politik einsetzen. Man stelle sich BR Leuthard vor, wenn sie nach der Pressekonferenz des zweiten Stabilisierungsprogramms einfach diesen Button gedrückt [...]
März 7th, 2009 at 21:56
[...] Post BR Leuthard: Warum muss der Unternehmer-Nachwuchs nicht stabilisiert werden? habe ich drei Fragen an Bundesrätin Leuthard gestellt und diese auch via E-Mail an sie [...]