Was hat ein Start-up-Pitch mit Gastrokritik zu tun?
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Am letzten Mittwoch durfte ich beim Abschlusstag des «venture training» an der SWX in Zürich mit dabei sein. 10 Start-ups konnten vor ca. 10 Investoren einen 10 Minuten Pitch abhalten.
Es war ein toller Event mit zum Teil Highflyer Start-ups von denen wir noch hören werden. Leider habe ich das NDA unterschrieben, und darf nur namentlich über Start-ups und Investoren berichten, die mir konkret Ihr Kochrezept verraten haben..
Domi hat schon über Erfolgsfaktoren für Start-ups gebloggt, trotzdem möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen und einige Fragen aufwerfen. Für mich hatte der Anlass fast künstlerische Ausmasse – und irgendwie wurde ich an die Gastronomie erinnert: Jeder redet mit, Köche geben ihr bestes, Gourmetkritiker sind das Mass aller Dinge und jeder Kunde weiss wie man das Restaurant führt…
Meine Gastro-Kritik:
# 1: Beim Dessert vergessen die Köche den Zucker
Frage: Vergessen Sie als Gastgeber nach einem tollen Dinner beim servieren des Dessert auch den Zucker im Vanilleschaum? Oder den Alkohol im Grappa? Süsses und Hochprozentiges, aufgenommen und verankert zum mitnehmen (ja auch im Auto) lässt sie nicht vergessen (auch beim Verlust des Führerscheins nicht..). Wie kann es denn sein, dass man einen Antrag über mehrere Hunderttausend Franken stellt, aber dann vergisst ein Handout an die Gastrokritiker abzugeben?
# 2: Gourmets und Ihre Präferenzen
Ich war beeindruckt über die Fähigkeiten der Gourmets (Investoren): Bereits nach 10 Minuten Start-up-Köcheln konnten sie messerscharf und haargenau das präsentierte Menü nach Gewicht, Geschmack und Präsentation begutachten, zerschneiden, verkostigen und ein Urteil abgeben. Trotzdem: sollte man einem Menü nicht die Chance geben, den Geschmack zu entfalten und einen neuen Geruch in der Nase zu verbreiten? Vorallem dann wenn ein Gastrokritiker das Gericht noch nie auf der Zunge zergehen liess?
# 3: Chefkoch Pius und Betti Bossi
Der Gourmetchef übertrumpft alle und immer wieder. 5 Sterne bleiben 5 Sterne. Wieso? Man glaubt Chefkoch Pius auch nach 500 Mal Rührei, dass jeder auf seine Art ein Küchenzauberer werden kann. Pius ist und bleibt mein persönlicher Betti Bossi…
# 4: Trendgerichte und blaue Spaghetti
Mein persönliches Highlight war Joel Manser von www.enzian-media.ch. (Ich habe die Erlaubnis darüber zu berichten..) – 22 jährig, Produkt: Suchmaschine, Nischenmarkt durch bildbasiertes Suchmaschinenmarketing. Präsentation: Blaue Spaghetti, resp. ausgewaschene Jeans, Enzian-Shirt, Frisur, resp Sauce wie aus der Büchse… aber: authentisch – Es stellt sich raus: ein absoluter Gourmetkoch: Fragen nach seinem Gericht souverän jeden Kritiker in die Schranken gewiesen, erklärt wieso Spagheitt auch blau sein dürfen und wieviel Sauce für sein Gericht gut sind. Fazit: Alle Gastrokritiker wollen blaue Spaghetti mal verköstigen….
# 5: Gourmets lieben neue Köche, geben es selten zu
Gastrokritiker (Investoren) pflegen Welpenschutz: oder “Den Hummer darf ein junger Koch noch lernen”. Ein junges Start-up mit jungem Präsentator kann sich alles erlauben. Der Gourmet sieht das Potential des Kochs und merkt nicht, dass der Hummer eigentlich Königskrabben sind… Teurer, exquisiter aber anders im Geschmack: verdammt erfolgreich im Markt… Diese Jungspunde werden Gastrokönige…
Da ich durch meine Freundschaft mit Simon Otto von Dreamworks, und auch Dominik Tarolli von Procedural Inc. ein Flair für virtuelle Welten und Animationsfilme haben, bin ich einer der grössten Fans von Animationsfilmen, va. Ratatouille, einer Ratte welche Gourmetkoch wird. Unternehmertum hat für mich sehr viel mit Kochen, Glauben, Verkostigen, Salzen, mit Zuviel von diesem, Zuwenig von dem, aber immer mit Zufriedenstellen von hungrigen Kunden zu tun…
Das “ob Fastfood” oder “Gourmet”… was zählt ist mit hunger rein – gesättigt und zufrieden raus…
Man mag lächeln oder nicht, aber jeder Unternehmer und jede Unternehmerin, die an ein eigenes Rezept glaubt, Gewürze mischt und sein Süpplein kocht weil er als Koch genau diesen Geschmack mag… all diese Köche haben es verdient von den Gastrokritikern eine Chance zu kriegen und bei gutem Geschmack Punkte zu erhalten.
Das ist das, was am «venture training» und Betti Bossi Start-up-Koch auch passiert, und vorallem mich an diesen Events auch so satt macht!
Mahlzeit!
April 22nd, 2008 at 07:02
Lieber Roman
Aspirierst Du auf den Purlitzerpreis? Einfach herrlich Deine Metaphern mit der Kochkunst und den Start-ups. So habe ich es noch gar nie betrachtet, aber es hat doch was!
Da ich das «venture training» aufbauen und über mehrere Jahre leiten durfte, freut es mich zu hören, dass Thomas Rüegg (mein Nachfolger) es erfolgreich weiterführt!
Das «venture training» ist die schweizer Plattform für innovative Start-ups, die a) Kontakt zu investoren suchen und/oder b) qualifiziertes Feedback der besten Start-up Trainer der Schweiz erhalten wollen.
Auf jeden Fall beide Daumen hoch und ich hoffe es Dir/euch (Suxedoo) etwas gebracht. Wer will den jetzt eigentlich bei euch investieren?
Könntest Du das auf dem Blog ein bisschen dokumentieren, was nach dem «venture training» jetzt mit euch so passiert etc.? Würde sicher viele Leser interessieren.
Gruss Dominik